warum freiheit mit einem "nein" beginnt
- Franziska Gillmann
- vor 1 Tag
- 5 Min. Lesezeit
Auf den ersten Blick wirkt Freiheit wie etwas Grosses im Aussen.

Trau dich für ein NEIN
Mehr Optionen, mehr Raum, mehr Möglichkeiten. Ein neuer Job, ein Ortswechsel, ein Kurs, ein Retreat. Du kennst dieses Ziehen nach „da draussen muss es noch mehr geben“.
Gleichzeitig spürst du in deinem Alltag eine andere Wahrheit. Du sagst Ja, obwohl in dir alles leise zurückweicht. Du nimmst Termine wahr, trägst Verantwortung, hörst zu, hältst aus. Du funktionierst und fragst dich trotzdem, warum sich dein Leben innerlich eng anfühlt, obwohl im Aussen so viel möglich wäre.
Wahre Freiheit beginnt an einem anderen Punkt. Sie entsteht in dem Moment, in dem du innerlich einen Vertrag beendest, der längst überfällig ist. Ein Vertrag mit einer Rolle, einem Bild von dir, einer Loyalität, die dich mehr bindet als stärkt. Dieser Moment trägt ein klares Nein in sich. Ein Nein, das du dir lange selbst nicht zugestehen wolltest.
1. Freiheit ohne inneren Abschied bleibt eine Idee
Du kannst dir noch so viele neue Ziele setzen, Visionboards gestalten, Pläne machen. Solange du innerlich noch an Vereinbarungen festhältst, die dich müde machen, bleiben diese Pläne abstrakt. Du spürst vielleicht kurz Aufbruchsstimmung, doch im Alltag kehrst du in die gewohnten Abläufe zurück.
Typisch sind Sätze wie:„Ich ziehe das noch durch, bis …“„Ich kann das jetzt nicht ändern, weil …“„Wenn sich im Aussen etwas bewegt, dann …“
In all diesen Sätzen steckt derselbe Mechanismus: Du verschiebst deine Freiheit in eine Zukunft, während du im Heute weiter Verträge erfüllst, die dich Kraft kosten. Verträge, die du nie bewusst unterschrieben hast, die aber dein Verhalten steuern: immer erreichbar sein, niemanden enttäuschen, harmonisch bleiben, alles im Griff haben.
Wahre Freiheit entsteht in dem Moment, in dem du diesen Verträgen innerlich nicht mehr zustimmst. Nicht laut, nicht dramatisch, sondern klar.
2. Innere Verträge sind die unsichtbaren Bindungen
Innere Verträge sind Sätze, nach denen du lebst, ohne sie je ausgesprochen zu haben.Zum Beispiel:„Ich bin die, die alles zusammenhält.“„Ich darf andere nicht belasten.“„Ich muss dankbar sein für das, was ich habe.“
Vielleicht merkst du, wie tief diese Sätze in deinem System sitzen. Sie wirken im Hintergrund wie ein unsichtbares Regelwerk. Du entscheidest danach, ob du zusagst, ob du bleibst, ob du dich meldest, ob du schweigst.
Diese Verträge geben dir eine gewisse Stabilität, weil du deine Rolle kennst. Gleichzeitig halten sie dich an einem Ort fest, an dem du längst innerlich ausgewachsen bist. Freiheit entsteht nicht dadurch, dass du neue Rollen dazu nimmst, sondern dadurch, dass du diese alten Verpflichtungen überprüfst.
Der erste Schritt ist das Erkennen: Wo hast du irgendwann zugesagt, immer zu halten, immer zu funktionieren, immer loyal zu sein – auch dann, wenn es dich erschöpft? Dieses Erkennen ist kein Verrat an anderen. Es ist ein Akt der Ehrlichkeit dir selbst gegenüber.
3. Das leise NEIN im Körper
Bevor ein klares Nein in Worte findet, meldet es sich im Körper.Du spürst es, wenn du in den Kalender schaust und der Blick auf einen Termin sofort Spannung auslöst. Du spürst es, wenn du eine Nachricht liest und dein Bauch sich zusammenzieht, obwohl die Worte freundlich sind. Du spürst es, wenn du auf dem Parkplatz noch im Auto sitzen bleibst, weil der Gedanke an das, was dich drinnen erwartet, deine Energie abzieht.
Dieses leise Nein ist oft schon lange da. Du hast es überdeckt mit Erklärungen, mit Pflichtgefühl, mit Loyalität. Der Körper hat es trotzdem gespeichert. Das innere Nein ist kein Ausdruck von Schwäche, sondern ein sehr präzises Signal: Hier stimmt etwas nicht mehr mit dem, was du dir selbst und anderen weiter versprichst.
Wenn du dieses Nein ernst nimmst, beginnt der Prozess innerer Freiheit. Nicht im Kopf, sondern im Spüren. Du hörst auf, dich zu überreden, und beginnst, dir zuzuhören.
4. Ein klares NEIN als Türöffner für Freiheit
Ein klares Nein ist selten bequem. Es stellt Routinen infrage, verschiebt Dynamiken und wird im Aussen nicht immer auf Verständnis stossen. Trotzdem ist es der Punkt, an dem sich für dich innerlich etwas Entscheidendes dreht.
Ein Nein kann bedeuten, eine Aufgabe zurückzugeben, die du jahrelang selbstverständlich übernommen hast. Es kann bedeuten, ein Gespräch ehrlich zu führen, statt weiter mitzuspielen. Es kann bedeuten, einen Abend für dich zu beanspruchen, auch wenn jemand anderes etwas anderes erwartet hätte.
Dieses Nein ist kein Angriff. Es ist eine Rückkehr zu dir. Freiheit zeigt sich dann nicht zuerst in riesigen Veränderungen, sondern in kleinen, konsequenten Entscheidungen, in denen du deinem inneren Empfinden mehr Gewicht gibst als der Angst, anzuecken.
Mit jedem dieser Neins löst du einen inneren Vertrag. Du beendest eine ungeschriebene Vereinbarung, die dich gebunden hat. Und genau dort beginnt Freiheit: in der Klarheit, wozu du innerlich nicht länger bereit bist.
Praktische Impulse um inneren Abschied & Freiheit zusammen zu bringen
Nimm dir eine Situation aus deinem Alltag, in der du dich regelmässig erschöpft oder überfordert fühlst. Frage dich ehrlich, welchem inneren Vertrag du dort dienst. Geht es darum, niemanden zu enttäuschen, alles im Griff zu haben oder dankbar zu sein, obwohl du innerlich längst müde bist? Dieses Bewusstwerden ist der erste Schritt zu Freiheit.
Beobachte, wo dein Körper ein leises Nein signalisiert. Achte auf Enge im Brustbereich, Druck im Bauch, inneren Widerstand, bevor du zusagst. Halte diesen Moment bewusst aus, statt sofort zu reagieren. Dein System zeigt dir hier sehr deutlich, wo ein innerer Vertrag nicht mehr stimmig ist.
Formuliere für dich ein inneres Ja zu dir selbst. Zum Beispiel: „Ich darf Entscheidungen treffen, die mir gut tun, auch wenn andere mich anders kennen.“ Ein klares, inneres Ja erleichtert dir, im Aussen ein Nein auszusprechen, ohne dich zu rechtfertigen oder zu erklären.
Wähle eine kleine, konkrete Situation, in der du beim nächsten Mal anders handeln wirst. Kein grosser Bruch, sondern ein Schritt: eine Absage, ein verschobener Termin, ein offenes Wort. Spüre nach, wie sich dieses Nein im Körper anfühlt. Das ist gelebte Freiheit – spürbar, nicht theoretisch.
Fazit: Freiheit ist Selbstführung
Wahre Freiheit beginnt nicht dort, wo immer mehr möglich wird, sondern dort, wo du innerlich aufhörst, Verträge zu erfüllen, die dich erschöpfen. Jedes klare Nein zu einer Rolle, die dir nicht mehr entspricht, ist ein Ja zu dir selbst.
Du musst dafür niemanden bekämpfen und kein grosses Drama erzeugen. Es reicht, wenn du dir erlaubst, das leise Nein in dir ernst zu nehmen und ihm Schritt für Schritt Raum zu geben. Freiheit zeigt sich dann nicht zuerst im Aussen, sondern in deinem inneren Erleben: in mehr Weite, mehr Ruhe, mehr Übereinstimmung mit dir.
Von dort aus entstehen die Veränderungen, die wirklich tragen – nicht, weil du dich anstrengen musst, sondern weil deine Entscheidungen aus einem Ort kommen, an dem du dir selbst treu bist.
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Schön, dass es DICH gibt! Herzensgrüsse Franziska




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