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die kraft des aufhörens

Es gibt diesen Punkt, an dem du merkst: Du machst weiter, aber innerlich bist du schon weg. Du gehst zu Terminen, führst Gespräche, erfüllst Rollen – und gleichzeitig spürst du, wie dein Körper enger wird, je mehr du dich anpasst.



Ich mache nicht mehr mit!

Es gibt diesen Punkt, an dem du merkst, dass du zwar noch funktionierst, innerlich aber längst ausgestiegen bist. Du gehst zu Terminen, führst Gespräche, erfüllst Rollenund spürst gleichzeitig, wie dein Körper enger wird, je mehr du dich anpasst. Du weisst, dass du so nicht weitermachen willst, doch du weisst noch nicht, wie der Ausstieg aussehen kann.

1. Wie ständiges Mitmachen deinen inneren Rhytmus überdeckt

Mitmachen wirkt harmlos. Du bleibst noch ein bisschen länger in der Sitzung, übernimmst noch ein Projekt, gehst an Treffen, die dich schon seit Jahren müde machen. Du sagst zu, hörst zu, lächelst und bemerkst gleichzeitig, dass du innerlich immer weniger anwesend bist.

Mit der Zeit koppelst du dich von deinem eigenen Rhythmus ab. Du gehst über Signale hinweg, die dir sehr klar zeigen, dass etwas zu viel ist: Spannung im Nacken, trockener Mund, flacher Atem, das Bedürfnis, kurz rauszugehen. Du ignorierst diese Hinweise, weil die Rolle, die du erfüllst, wichtiger zu sein scheint als das, was du spürst.

Ständiges Mitmachen führt dazu, dass dein Körper dauerhaft im Modus „halten“ bleibt. Du hältst Stimmungen, Erwartungen, Verantwortung. Dein innerer Raum wird kleiner, während im Aussen alles „weiterläuft“.


2. Was dein Nervensystem dir zeigt, wenn du weitermachst

Dein Nervensystem unterscheidet nicht, ob du in einem Krisengespräch sitzt oder zum zehnten Mal in einer WhatsApp-Gruppe mitliest, die dir längst zu viel geworden ist. Es reagiert auf dein inneres Erleben, nicht auf den äusseren Anlass.

Du kennst vielleicht diese Situationen: Du betrittst ein Büro oder einen Besprechungsraum und dein Brustkorb wird eng, bevor überhaupt jemand etwas gesagt hat. Du öffnest dein Mailprogramm und merkst sofort, wie dein Kiefer anspannt und deine Schultern nach oben rutschen. Du fährst zu einem Treffen, von dem du weisst, dass du dort wieder die Vernünftige, Verständnisvolle sein wirst, und spürst schon am Steuer, wie deine Energie sinkt.

Wenn du trotz dieser Signale weitermachst, bleibt dein Nervensystem in Daueranspannung. Es fährt nicht mehr richtig herunter. Und irgendwo in dir entsteht der Satz: „Ich bin dauernd erschöpft und weiss gar nicht mehr genau, warum.“

Nicht-mehr-Mitmachen ist an dieser Stelle kein Luxus, den du dir irgendwann leisten kannst. Es ist ein Schritt hin zu innerer Regulation. Dein System braucht Räume, in denen es nicht halten muss, sondern entladen darf.


3. Nicht-mehr-Mitmachen beginnt oft im Stillen


Der Moment, in dem du innerlich aufhörst, sieht von aussen meist unspektakulär aus. Es gibt keinen lauten Moment nach aussen, du triffst eine Entscheidung in dir, und dein Verhalten beginnt sich zu verändern.

Du antwortest nicht mehr sofort auf jede Nachricht, nur weil du es immer so gemacht hast. Du bleibst nicht mehr automatisch bis zum Schluss in Meetings, in denen du innerlich schon längst raus bist. Du gehst aus Gesprächen, in denen du merkst, dass du dich rechtfertigst, obwohl du gar nichts erklären möchtest.

Nicht-mehr-Mitmachen bedeutet auch, bestimmte Themen nicht mehr mitzutragen. Du steigst aus endlosen Beschwerderunden aus, in denen sich nichts bewegt. Du lässt dich nicht mehr in Rollen ziehen, in denen du alles ordnest, beruhigst oder rettest. Du bleibst bei dir, auch wenn andere dich anders kennen.

Diese inneren Neuausrichtungen wirken klein. Doch für dein Nervensystem ist es eine klare Botschaft: Du beginnst, dich ernst zu nehmen.

4. Aufhören als verkörperte Entscheidung

Der Unterschied zwischen einem gedanklichen Vorsatz und einem echten Aufhören zeigt sich im Körper. Wenn du nur im Kopf beschliesst, etwas zu verändern, bleibt oft alles beim Alten. Wenn du in dir wirklich aufhörst, spürst du es.

Du merkst es daran, dass dein Atem tiefer wird, wenn du eine Absage verschickst, die längst überfällig war. Du merkst es daran, dass deine Schultern sinken, wenn du einen Termin streichst, der dir seit Wochen schwer im Kalender liegt. Du merkst es daran, dass dein Körper ruhiger bleibt, wenn du bei einer Entscheidung zu dir stehst, auch wenn jemand irritiert reagiert.

Aufhören ist dann nicht mehr eine Idee, die du vor dir herschiebst, sondern eine verkörperte Erfahrung. Du spürst, dass etwas in dir zu Ende gegangen ist, eine Rolle, ein innerer Vertrag, ein Muster. Und genau in diesem Ende liegt der Raum für etwas Neues. Nicht als Konzept, sondern als fühlbare Entlastung in deinem System.

Praktische Impulse für das Nicht-mehr-Mitmachen

Nimm dir eine konkrete Situation aus deinem Alltag, in der du regelmässig über deine Grenzen gehst. Schau sie dir ehrlich an. Welche Rolle spielst du dort? Was erwartest du von dir in dieser Situation? Erkenne, an welcher Stelle du immer wieder „ja“ sagst, obwohl dein Körper ein anderes Signal sendet.

Beobachte in den kommenden Tagen, wann dein Körper dir ein Aufhören signalisiert. Das kann der Moment sein, in dem du vor dem Eingang noch im Auto sitzen bleibst, weil du keine Kraft für das Treffen hast. Es kann der Augenblick sein, in dem du eine Nachricht liest und ein klares Unbehagen im Bauch spürst. Nimm diese Signale wahr und benenne sie innerlich: „Hier ist ein Punkt, an dem ich nicht mehr mitgehen möchte.“

Wähle eine kleine, überschaubare Situation, in der du beim nächsten Mal anders handeln wirst. Du kannst eine Einladung ausschlagen, statt dich wieder zu überreden. Du kannst eine Diskussion verlassen, in der es nur darum geht, Recht zu behalten. Du kannst einen Abend bewusst für dich reservieren, ohne ihn mit neuen Pflichten zu füllen. Spüre, wie sich dein Körper anfühlt, wenn du diesen Schritt gehst.

Schaffe dir bewusst Räume, in denen dein Nervensystem nichts leisten muss. Das können einfache Dinge sein: ein Spaziergang ohne Handy, ein Abend ohne Erreichbarkeit, ein Morgen, an dem du nicht sofort Mails oder Nachrichten öffnest. In diesen Momenten erfährt dein System, dass Nicht-mehr-Mitmachen nicht Kontrollverlust bedeutet, sondern Sicherheit in dir.

Fazit:

Die Kraft des Nicht-mehr-Mitmachens zeigt sich nicht im grossen Befreiungsakt, sondern in den vielen stillen Entscheidungen, in denen du dich nicht länger gegen dein eigenes Empfinden stellst. Jedes Aufhören an einer Stelle, die dich über Jahre Kraft gekostet hat, ist ein tiefes Ja zu deinem Körper und zu deinem Nervensystem.

Wenn du aufhörst, an Orten, in Gesprächen und in Rollen mitzuspielen, die sich innerlich falsch anfühlen, entsteht ein neuer innerer Raum. Du musst weniger halten, weniger kompensieren, weniger tragen. In diesem Raum kann sich etwas in dir regulieren und neu ordnen.

Nicht-mehr-Mitmachen ist kein Rückzug aus dem Leben. Es ist eine Entscheidung für ein Leben, in dem du dir selbst treu bleibst, spürbar, verkörpert und ohne dauernden inneren Widerstand.


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Schön, dass es DICH gibt! Herzensgrüsse Franziska



 
 
 

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