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Wenn alte Rollen noch in deinem Kleiderschrank hängen

vor 13 Minuten
4 Min. Lesezeit

Gestern Morgen stand ich wieder einmal vor meinem Kleiderschrank und mein Gedanke war, wie fast jeden Tag: Was ziehe ich an?

Kleiderständer als Sinnbild für alte Rollen und die Frage, was heute noch zu uns passt.

Alte Rollen und Verpflichtungen binden deine Energie

Ich kann meine Kleider für den nächsten Tag nicht schon bereit legen. Das funktioniert bei mir einfach nicht. Ich wähle etwas aus, ziehe es an und merke manchmal sofort, dass es sich an diesem Tag nicht gut anfühlt. Also wieder ausziehen, das nächste probieren, bis es sich für mich angenehm anfühlt.

Meistens habe ich etwas ganz Bestimmtes im Kopf, das ich unbedingt anziehen möchte, und finde es dann natürlich nicht.

Ich kann den aufgeräumtesten Schrank haben, aber es dauert nie lange und er sieht wieder etwas weniger ordentlich aus. That’s me.

Kleider tragen für mich auch Energie in sich. Sie erinnern mich an bestimmte Zeiten, Rollen und Lebensphasen.

Als ich noch jeden Tag ins Unternehmen fuhr, hatte ich meine Kleider klar getrennt nach Arbeit und Freizeit. Viele meiner Lieblingsstücke habe ich nur am Wochenende oder zum Ausgehen getragen.

Kannst du dir vorstellen, wie viele davon später noch ungetragen im Schrank lagen?

Als ich mein eigenes Business gegründet habe, habe ich irgendwann auch meinen Kleiderschrank aussortiert. Mit diesen Kleidern waren Rollen verbunden, die längst nicht mehr meine waren.

Teilweise waren es exklusive Stücke, aber sie waren einfach nicht mehr ich.

Wenn wir aus unseren alten Rollen herauswachsen

Manche Kleider passen irgendwann einfach nicht mehr zu uns. Dabei spielt es keine Rolle, wie gerne wir sie getragen haben oder wie besonders wir uns darin gefühlt haben.

Wir haben uns weiterentwickelt.

Und genau das geschieht auch mit den Rollen, die wir im Laufe unseres Lebens tragen.

Manche begleiten uns über viele Jahre und werden zu einem selbst-verständlichen Teil unseres Lebens. Die verantwortungsvolle Mitarbeiterin, die verlässliche Freundin, die Partnerin, die Mutter, die Tochter oder die Frau, die gelernt hat, vieles selbst zu tragen.

Jede dieser Rollen hatte ihre Zeit und ihren Platz. Wir haben darin Erfahrungen gemacht, Verantwortung übernommen und einen Teil unserer Geschichte gelebt.

Dann fühlt sich eine Rolle ähnlich an wie ein Kleidungsstück, das früher perfekt gepasst hat und heute im Schrank hängt. Wir erkennen uns darin noch, weil wir wissen, wer wir einmal darin waren. Gleichzeitig spüren wir, dass diese Version von uns nicht mehr ganz zu der Frau passt, die wir heute sind.

Bei einem Kleidungsstück merken wir meistens ziemlich schnell, wenn wir uns darin nicht mehr wohlfühlen. Bei unseren Rollen kann es Jahre dauern, bis wir wahrnehmen, dass wir längst aus ihnen herausgewachsen sind.

Wir tragen sie weiter, weil sie vertraut sind. Weil andere Menschen uns so kennen. Weil wir über Jahre gelernt haben, wer wir in dieser Rolle zu sein haben.

Und irgendwann stehen wir sinnbildlich vor unserem eigenen Kleiderschrank und dürfen uns fragen:

Was davon passt eigentlich noch zu mir?

Warum wir uns von alten Rollen so schwer trennen

Wenn ich meinen Kleiderschrank aussortiere, gibt es immer wieder Stücke, die ich in die Hand nehme und denke: Das kann doch noch bleiben.

Ich habe es schliesslich einmal gerne getragen. Es erinnert mich an eine bestimmte Zeit oder an einen besonderen Moment. Also hänge ich es zurück in den Schrank, obwohl ich ziemlich genau weiss, dass ich es wahrscheinlich nie wieder anziehen werde.

Mit unseren Rollen kann etwas Ähnliches geschehen.

Wir haben viel Zeit und Kraft in sie investiert, Erfahrungen darin gesammelt und oft einen grossen Teil unserer Identität mit ihnen verbunden. Über Jahre haben wir gelernt, uns ganz selbstverständlich in diesen Rollen zu bewegen.

Dazu kommt die Anerkennung, die wir dafür bekommen haben.

Du bist so zuverlässig.

Auf dich kann man sich immer verlassen.

Du hast alles im Griff.

Du schaffst das schon.

Solche Sätze können sich tief mit unserem Bild von uns selbst verbinden. Irgendwann sind wir überzeugt, genau diese Frau sein zu müssen, weil wir sie so lange gewesen sind.

Und dann verändert sich etwas in uns.

Plötzlich fühlt sich das, was früher selbstverständlich war, enger an. Aufgaben, die wir jahrelang übernommen haben, kosten mehr Kraft. Erwartungen beginnen zu stören und bei manchen Rollen taucht immer häufiger die Frage auf, ob wir sie heute überhaupt noch wählen würden.

Auch eine vergangene Rolle behält ihren Wert. Sie kann sehr lange zu uns gepasst und einen wichtigen Teil unseres Lebens ausgemacht haben.

Wir dürfen trotzdem aus ihr herauswachsen. Sie gehörte zu einer Zeit unseres Lebens und durfte uns genau dort begleiten.

Die entscheidende Frage ist, ob wir ihr auch heute noch einen Platz geben wollen.

Wenn dein altes Selbstbild zu eng geworden ist


Und dann entwickelt sich das Leben weiter.

Unsere Kinder werden erwachsen, berufliche Aufgaben verändern sich, Beziehungen bekommen eine andere Bedeutung und wir selbst sammeln Erfahrungen, die unseren Blick auf das Leben verändern.

Irgendwann stehen wir an einem Punkt, an dem wir merken, dass unser bisheriges Selbstbild mit dieser Entwicklung kaum Schritt gehalten hat.

Wir wissen sehr genau, wer wir waren und was uns über Jahre ausgezeichnet hat. Viel schwieriger ist manchmal die Frage, wer wir heute sind.

Genau deshalb können Übergangsphasen so herausfordernd sein. Das Alte ist vertraut und gibt Orientierung. Gleichzeitig entsteht in uns längst ein anderes Gefühl dafür, wie wir leben, arbeiten oder unsere Zeit verbringen möchten.

Dabei finde ich eine Frage besonders spannend:

Wenn du heute deinen inneren Kleiderschrank öffnen würdest: welche Version von dir hängt dort noch, obwohl du längst aus ihr herausgewachsen bist?



Fazit: Bewusst auf das Leben schauen

Irgendwann dürfen wir genauso bewusst auf unser Leben schauen wie auf einen Kleiderschrank, den wir neu sortieren. Was passt noch zu mir? Was gehört zu einer früheren Version von mir? Und wofür möchte ich heute wieder mehr Raum schaffen?


Es geht darum, ehrlich wahrzunehmen, was heute noch zu der Frau gehört, die du geworden bist, und was du hinter dir lassen möchtest.


Denn genau dort beginnt neue Freiheit: wenn du bewusst entscheidest, was heute noch zu dir gehört und wofür du in deinem Leben wieder mehr Raum schaffen möchtest.

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Schön, dass es DICH gibt! Herzensgrüsse Franziska

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